Gastbeitrag - Betrügern auf der Spur / Schwyzer Kantonalbank

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Betrügern auf der Spur

23.5.2020 - 18:09

Die Sicherheit unserer Lebensmittel kann nur gewährleistet werden, wenn alle Akteure ihre Verantwortung wahrnehmen: sowohl Lebensmittelbranche als auch Kantons- und Bundesbehörden, aber auch die Konsumentinnen und Konsumenten.

Autor: Daniel Imhof, Dr. sc. nat., Kantonschemiker der Urkantone

Die Verantwortung für die Sicherheit der Produkte trägt die Lebensmittelbranche. Denn sie hat die Pflicht zur Selbstkontrolle und muss dafür sorgen, dass die Waren den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und die Gesundheit nicht gefährden. Entsprechend der «Guten Herstellungspraxis» (GHP) müssen die Hersteller die Lebensmittel untersuchen oder untersuchen und dokumentieren lassen, dass die Anforderungen erfüllt sind. Die kantonalen Behörden unter der Führung der Kantonschemiker und Kantonstierärzte überprüfen, ob die Lebensmittelbranche ihre Verantwortung wahrnimmt. Im Rahmen unserer Vollzugsaufgaben führen wir vom Laboratorium der Urkantone regelmässig Betriebs- und Produktkontrollen durch und ordnen allfällige Massnahmen an. Wir untersuchen Lebensmittel beispielsweise in Bezug auf den Befall mit Bakterien, Viren, Schimmelpilzen, Verunreinigungen und toxische Stoffe.

Einhaltung der Hygieneregeln

Neben der Überprüfung der Lebensmittel richten wir ein spezielles Augenmerk auch auf die Einhaltung der Hygieneregeln. Räume und Einrichtungen von Lebensmittelbetrieben müssen sauber sein und stets instand gehalten werden. Die Ansammlung von Schmutz, der Kontakt mit Kontaminanten, das Eindringen von Fremdteilchen in Lebensmittel, die unerwünschte Schimmelbildung im Lebensmittel oder auf Oberflächen muss vermieden werden können. Das sind nur einige wenige der wichtigsten Punkte. Kontrolliert wird auch das Personal. Personen, die in einem Lebensmittelbetrieb beschäftigt sind, müssen im Umgang mit Lebensmitteln auf persönliche Hygiene und Sauberkeit achten. Die Arbeitskleidung oder die Schutzkleidung muss zweckmässig und sauber sein. Lebensmittelbetriebe müssen über die nötigen Umkleideräume und über Einrichtungen für die persönliche Hygiene verfügen. Entscheidend ist insbesondere auch: Die verantwortliche Person muss das Personal zur persönlichen Hygiene, insbesondere zur Hände-, Körper- und Kleiderhygiene, anhalten. Die Aus- und Weiterbildung des Personals ist ein zentrales Element der Selbstkontrolle eines Betriebes und umfasst nicht nur die Beherrschung der Prozesse, sondern auch die Einhaltung der Hygieneregeln.

Konsumentenschutz

Die Kontrolle der Lebensmittel und ihrer Herstellung dient in erster Linie der Gesundheit der Bevölkerung, ebenso wie die Einhaltung der Hygienevorschriften. Die Kantonschemiker haben jedoch noch eine weitere wichtige Aufgabe. Sie sind bei ihrer Tätigkeit auch als Konsumentenschützer unterwegs. Wir müssen nämlich dafür sorgen, dass die Konsumentinnen und Konsumenten nicht durch falsche Produktedeklarationen getäuscht oder gar betrogen werden. Wo leicht mit wenig Aufwand viel Geld verdient werden kann, sind Betrüger oft nicht weit. Täuschungen der Konsumentinnen und Konsumenten sowie Betrügereien können nur erfolgreich bekämpft werden, wenn diverse Massnahmen ineinandergreifen. Nebst dem Reagenzglas im Labor braucht es dazu auch den Taschenrechner. Wenn billiger französischer Industriehonig als teurer Schweizer Bienenhonig verkauft wird oder Lasagne statt Rind- Pferdefleisch enthält, kann man diesen Betrug im Labor entlarven. Falsche Herkunftsbezeichnungen etwa bei Wein oder Käse nachzuweisen, ist um einiges aufwendiger. Hier braucht es auch den fachmännischen Blick eines Buchhalters.

Bilanzen überprüfen

Beim Parmigiano Reggiano beispielsweise gehen die italienischen Behörden davon aus, dass nur etwa einer von drei verkauften Käsen wirklich aus dem geschützten Ursprungsgebiet ist. Das lässt sich anhand der Produktionskapazitäten in der Region im Vergleich zu den verkauften Mengen errechnen. Anders gesagt: So viel Parmigiano Reggiano wie weltweit verkauft wird, kann in der Region gar nicht produziert werden. Ein anderes Beispiel: Die Nachfrage nach einem AOC-Wein übersteigt das Angebot eines Winzers. Dieser gerät in Versuchung, Trauben aus einem anderen Rebgut einer anderen Region unter seinem eigenen AOC-Label zu verarbeiten. Das fällt erst auf, wenn man die Bilanz überprüft. Dort zeigt sich, dass die produzierte Menge unmöglich mit den Verkaufszahlen übereinstimmen kann. Weil solche Betrügereien an der Landesgrenze nicht haltmachen, haben sowohl der Bund als auch europäische Behörden ihre Anstrengungen zur Eindämmung des Lebensmittelbetrugs in den vergangenen Jahren markant verstärkt. Das wurde nötig, als 2012 ein internationaler Ring von Betrügern konventionelle Lebensmittel als biologisch angebaute Lebensmittel in ganz Europa in den Verkauf brachte. Die europäische Union hat darauf eine spezialisierte Einheit geschaffen, die grenzüberschreitend solche Betrügereien aufdeckt. Auf Bundesebene wurde ebenfalls eine neue Stelle geschaffen, welche die Bilanzen von Lebensmittelherstellern genauer prüft. Konsumentinnen und Konsumenten haben ein Recht darauf, dass sie nicht getäuscht werden. Wenn eine Aprikose auf einer Flasche abgebildet ist, soll auch Aprikosensaft drin sein. Wo «Bio» draufsteht, soll das Produkt aus biologischem Anbau stammen. Poulet mit Herkunftsbezeichnung Schweiz sollte auch aus der Schweiz kommen. Rindfleisch ist Rindfleisch. Es darf keinen Schweinefleischanteil enthalten, sonst ist es falsch deklariert. Es gelingt uns nicht immer, solche Tricks aufzudecken, aber immer öfter. Dafür setzen wir uns täglich ein.


Der Autor
Dr. sc. nat. ETH Daniel Imhof ist seit 2007 Kantonschemiker des Laboratoriums der Urkantone. Er studierte Chemie an der ETH in Zürich, wo er 1994 promovierte. 2003 erlangte er das eidgenössische Diplom des Lebensmittelchemikers und 2005 schloss er das Zertifikatsprogramm in Betriebswirtschaft an der Universität Zürich mit Erfolg ab.

LABORATORIUM DER URKANTONE

Das Laboratorium der Urkantone ist ein Konkordatsbetrieb der Kantone Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden. Als interkantonale, öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit erfüllt das Laboratorium zugunsten von Mensch, Tier und Umwelt Vollzugs- wie auch Dienstleistungsaufgaben.

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