Interview - Partner müssen aufeinander eingehen / Schwyzer Kantonalbank

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Partner müssen aufeinander eingehen

17.05.2022 - 09:50

«Eine Unternehmensbewertung gibt keine eindeutige Antwort zum Kaufpreis», erklärt Andreas Weber vom Nachfolgezentrum. Sie bietet jedoch die Chance für zielführende Lösungen, wenn die Partner aufeinander eingehen.

FOKUS: Sie betreuen Unternehmen bei der Nachfolge. Mehrheitlich KMU?

Andreas Weber: Es sind fast ausschliesslich KMU, die wir betreuen, hauptsächlich zwischen fünf und dreissig Mitarbeitenden. Das entspricht etwa dem statistischen Mittelwert. Über 99 Prozent der Firmen in der Schweiz sind kleine und mittlere Unternehmen. Rund 90 Prozent davon haben weniger als zehn Mitarbeitende. Pro Jahr betreuen wir etwa dreissig bis vierzig Firmen. Seit Bestehen des Nachfolgezentrums konnten wir bereits über 300 Projekte erfolgreich abschliessen.

Gelingt es in allen Fällen, eine gute Lösung zu finden?

Die Chancen für eine gute Nachfolgeregelung sind gut. Es gibt da verschiedene Möglichkeiten. In rund einem Drittel der Fälle erfolgt die Übergabe eines Betriebes an die nächste Generation familienintern. Auch ein Management-Buy-out ist oft eine gute Lösung, wenn im Unternehmen fähige Mitarbeitende bereit sind, die Nachfolge anzutreten und der Kaufpreis finanziert werden kann. Dazu benötigt es häufig zur Bankfinanzierung auch ein Verkäuferdarlehen. Als weitere mögliche Variante steht ein Verkauf zur Diskussion. Und schliesslich gibt es durchaus Ausgangslagen, bei denen eine ordentliche Liquidation die passende Lösung ist. Auch wenn dies auf den ersten Blick unpopulär und emotional oftmals anspruchsvoll ist.

Finden Sie in jedem Fall willige Käufer?

Einen Käufer für ein kleines Unternehmen zu finden, ist nicht einfach. Es gibt zwar Plattformen wie beispielsweise «KMU Handel» oder «Company Market», wo man sein Unternehmen platzieren kann, aber das Angebot übersteigt die Nachfrage bei Weitem. Es gibt sehr viel mehr verkaufswillige Eigentümer als mögliche Interessenten. Investoren sind eher an grösseren Firmen interessiert. In der Regel führt meistens die gezielte Suche nach den passenden Käufern zum Erfolg.

Ob bei einer familieninternen Nachfolge oder einem Verkauf: Streitpunkt ist oft der Preis. Welche Möglichkeiten gibt es, um sich zu einigen?

Zentral ist eine unabhängige Schatzung des Unternehmens. Aber, das möchte ich ausdrücklich betonen, eine Unternehmensbewertung ist keine exakte Wissenschaft. Sie ist ein Richtwert, welcher mit den Beteiligten besprochen werden muss. Sie wird auch häufig falsch verstanden. Die Beteiligten diskutieren dannw ausführlich darüber, ob eine Maschine noch 10 000 oder doch eher 15 000 Franken wert sei. Für die Festlegung des Preises sind solche Dinge eher marginal. Ausschlaggebend ist der zu erwartende Gewinn und der Kapitalisierungssatz.

Können Sie das näher erläutern?

Ganz zentral ist die Frage, welche Rendite ein Käufer mit dem Unternehmen in Zukunft erwirtschaften kann. Bei der Unternehmensbewertung muss also eine Renditeerwartung hinterlegt werden, damit man den Ertragswert berechnen kann. Ich kann das an einem Beispiel erklären. Wenn ein Unternehmen 100 000 Franken Gewinn erzielt und, gemessen am Risiko, eine Rendite von 14 Prozent erwirtschaftet werden soll, dann beträgt der Ertragswert des Unternehmens 714 000 Franken. Wenn nun jemand die risikoangemessene Rendite 2 Prozent tiefer, also bei 12 Prozent ansetzt, dann liegt der Ertragswert des Unternehmens bei 833 000 Franken. Das Beispiel zeigt, wie stark dann die Bewertung abweicht. Bei vielen Diskussionen wird dem zu wenig Beachtung geschenkt, oder es wird zu wenig gut verstanden.

Sie verstehen sich als Projektleiter. Ziehen Sie bei Bedarf demnach weitere Fachleute hinzu?

Es sind vor allem Treuhänder sowie Anwälte und natürlich Bankfachleute, die bei einer Nachfolgeregelung eine wichtige Rolle spielen. Bei der Finanzierung wird in den meisten Fällen die Hausbank berücksichtigt. Das ist auch sinnvoll. Die Hausbank kennt das Unternehmen am besten und kann so das Risiko gut einschätzen. In der Regel lässt die Bank dem Käufer fünf bis sieben Jahre Zeit, um den Kaufkredit zu amortisieren.

Der Interviewpartner
Andreas Weber ist Mitgründer, Mitinhaber und Partner Zentralschweiz/ Zürich der KMU Nachfolgezentrum AG. Er ist Betriebsökonom FH sowie ausgebildeter Mediator. Seit 2008 ist er zudem Geschäftsführer des Vereins Schwyz Next (ehemals Technologiezentrum Schwyz) sowie Innovationscoach von zentralschweiz innovativ.

KMU NACHFOLGEZENTRUM AG

Das KMU Nachfolgezentrum wurde 2006 von Hans Weber, Andreas Weber und Karl Zimmermann an den Standorten Schwyz und Bern gegründet. 2020 kamen weitere Partner, Markus Fellmann, Madeleine Na, Pascal O. Stocker und Sigrid Sutter, in der Ost- und Nordwestschweiz und im Grossraum Zürich hinzu. Andreas Weber definiert das Ziel des Unternehmens so: «Wir helfen KMU-Inhabern, ihre Firma erfolgreich zu überreichen. Wir begleiten Unternehmen und Menschen durch den Nachfolgeprozess mit praktischen und nachhaltigen Lösungen. Dabei vermitteln wir zwischen den Generationen und unterstützen zukünftige Nachfolgerinnen bei der erfolgreichen Betriebsübernahme.»


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