Story - Plötzlich ging es Schnell / Schwyzer Kantonalbank

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Plötzlich ging es Schnell

17.05.2022 - 14:48

Wenn sich Verkäufer und Käufer einig sind und die Hausbank mitspielt, können Nachfolgeprobleme schnell gelöst werden. Innert kurzer Zeit ging die Ruoss Urs GmbH, Wasch- und Küchentechnik (wakutech), mit Sitz in Lachen 2019 in neue Hände über.

Es ist Mittwochabend, ziemlich spät schon. Das Telefon klingelt. Urs Ruoss greift zum Hörer. Er kennt die Nummer des Anrufers. Sie gehört seinem Treuhänder und langjährigen Kollegen Daniel Hüppin: «Hallo Urs, was ich dir mitteilen möchte, wird dich wahrscheinlich ziemlich überraschen. Ich würde gerne deine Firma kaufen. Können wir mal in Ruhe darüber reden?» Einen Moment lang herrscht Stille. «Hallo Urs, bist du noch dran?» «Ja», sagt Urs Ruoss, «aber das kommt jetzt wirklich unerwartet. Reden können wir natürlich darüber.»

Wasch- und Küchentechnik

Es geht um die Firma Ruoss Urs GmbH, besser bekannt unter dem Namen Wasch- und Küchentechnik (wakutech), mit Sitz in Lachen. Urs Ruoss hat das Unternehmen 1999 gegründet und zusammen mit seiner Frau Priska über Jahre aufgebaut und stetig weiterentwickelt. Es geniesst über die Region hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Vor etwa drei Jahren haben sich die beiden Eheleute zum ersten Mal mit der Nachfolge befasst, weil sie in den Ferien bei einem Gespräch zufällig erfuhren, dass eine Nachfolgeregelung ziemlich viel Zeit braucht, in der Regel gut und gerne vier bis fünf Jahre. Dass es dann plötzlich so schnell gehen würde, damit haben sie nicht gerechnet.

«HALLO URS, ICH WÜRDE
GERNE DEINE FIRMA KAUFEN
WAS MEINST DU DAZU?.»

Daniel Hüppin


Die neuen Eigentümer der Firma Wakutech (v.l.): Daniel Hüppin, Arben Krasniqi und Pirmin Schnellmann.

Ungewohntes Rentnerleben 

Im Dezember 2019 verkaufen sie ihre Firma. Urs ist zu diesem Zeitpunkt erst 61 Jahre alt, Priska sogar noch einige Jahre jünger. Eigentlich wollten beide noch mindestens drei bis vier Jahre weitermachen, Urs bis zum Alter 65. Jetzt sind sie Pensionäre. Sie können tun und lassen, was sie wollen. Aber so ganz sind sie noch nicht im Rentnerleben angekommen, hat man den Eindruck. Vor allem Priska Ruoss nicht. Das spürt man im Gespräch schnell heraus. «Einfach so aufhören zu arbeiten, das geht doch nicht», sagt sie. Das habe sie jedenfalls im ersten Moment gedacht. Priska und Urs Ruoss geniessen es zwar, dass sie jetzt Zeit finden für längere Skiferien, Radtouren oder Ausflüge auf der Honda Gold Wing. Aber vor allem Priska fehlen die Kontakte mit den Kundinnen und Kunden doch ein wenig. Sie liebte ihre Arbeit und war mit Herzblut dabei.

Schon früh selbstständig

Urs Ruoss, aufgewachsen in Lachen, hat ursprünglich Elektromonteur gelernt. Schon bald jedoch wechselt er in den Aussendienst, zuerst für eine Versicherungsgesellschaft, dann für ein Unternehmen, das Kaffeeautomaten für die Gastronomie sowie medizinaltechnische Produkte herstellt. Der Vertrieb von Medizinaltechnik für Spitäler war eine echte Herausforderung», erinnert er sich an die Anfänge zurück. «Ich war für die gesamte Ostschweiz zuständig.» Weil das Arbeitsklima im Unternehmen – nach einem Wechsel im Management – immer mehr zu wünschen lässt, entschliesst sich Urs Ruoss zu einem Wechsel. Er wird für die Firma Schulthess tätig und übernimmt den Verkauf von Waschmaschinen und Tumblern für den Privathaushalt, an Wiederverkäufer und Immobilienverwaltungen. Allerdings nicht als Angestellter, sondern auf eigenes Risiko als Freelancer. Das ist der erste Schritt in die Selbstständigkeit.

Gutes Beziehungsnetz

In dieser Eigenschaft lernt er rund um den Zürichsee viele Bauherren, Investoren und Architekten kennen und natürlich auch Wiederverkäufer von «weisser Ware», wie Haushaltsgeräte in der Fachsprache des Handels genannt werden. Das Beziehungsnetz sowie das Fachwissen, das er sich während dieser Zeit aneignet, führt bei ihm zu einer wichtigen Erkenntnis. «In der ganzen Region existiert kein einziges exklusives Fachgeschäft für Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Kochherde, Kühlschränke, also für Wasch- und Küchentechnik», stellt Urs Ruoss fest. «Die einzigen Anbieter sind Grossverteiler und Discounter.» Das will er ändern. Hier sieht er eine echte Marktlücke.

Fachgeschäft im Dorfzentrum

Damit kommt auch erstmals der Treuhänder Daniel Hüppin ins Blickfeld. Zusammen erarbeiten sie einen Businessplan. Auch ein geeignetes Ladenlokal im Dorfzentrum von Lachen lässt sich finden. Gemeinsam mit einem Fussballkollegen, den er in einem Vollpensum beschäftigt, startet Urs Ruoss ins Abenteuer. «Es war ein Bauchentscheid», stellt er rückblickend fest. «Aber ganz alles auf eine Karte gesetzt habe ich dann doch nicht. Ich hatte immer noch ein weiteres Standbein als Aussendienstmitarbeiter für zwei Unternehmen.»

Im August 1999 findet die offizielle Eröffnung des Ladens für Wasch- und Küchentechnik der Ruoss Urs GmbH statt. Der Jungunternehmer sollte recht behalten. Er hatte wirklich eine Marktnische entdeckt. Das Geschäft entwickelt sich gut, sehr gut sogar. Die kompetente Verkaufsberatung sowie die fachkundige und zuverlässige Montage der Geräte tragen wesentlich zum positiven Geschäftsgang bei. Urs Ruoss denkt deshalb bald an einen Ausbau des Ladens. Daran hat die Vermieterin jedoch kein Interesse.

«WIR WURDEN VON DEN EXPERTEN
DER SCHWYZER KANTONALBANK
JEDERZEIT SEHR GUT BERATEN
UND BETREUT.

Urs und Priska Ruoss

Neubeginn mit fünfzig Jahren

2008 trifft Urs Ruoss deshalb einen weiteren Bauchentscheid, wie er sagt, und wagt mit fünfzig Jahren nochmals einen Neuanfang. Er ist überzeugt, dass der Bau des neuen Einkaufscenters, des «Obersee Centers Lachen», zu einer Verlagerung des Detailhandels aus dem Dorfzentrum führen würde. Im Umfeld des Einkaufscenters will er deshalb ein neues, grösseres Geschäft eröffnen. Der Entscheid ist goldrichtig. Fast gleichzeitig wird Urs Ruoss von seinem Bruder Robert angefragt, ob er dessen Firma Kafiland, ein Geschäft für Kaffeemaschinen, übernehmen möchte. «Jein», denkt Urs Ruoss im ersten Augenblick. Einerseits ist sein unternehmerisches Risiko mit der Neueröffnung des Geschäfts an der Alten Fabrikstrasse in Lachen jetzt schon beträchtlich. Andererseits hat er noch ungenutzte Ladenfläche, die er so sinnvoll belegen könnte. Schliesslich obsiegt wiederum der Unternehmer in ihm, und er integriert die Firma Kafiland in sein neues Geschäft.

Ideale Lage

Das Unternehmen an idealer Passantenlage floriert von Anfang an. Vor allem auch, weil mit dem Eintritt von Arben Krasniqi ein Jahr zuvor weiteres wertvolles Know-how hinzugekommen ist und weil neu auch Ehefrau Priska ins Geschäft einsteigt. Sie gibt dafür ihre Arbeit bei der Bank auf. Schon dort hat sie den Kundenkontakt sehr geliebt, den sie nun an ihrer neuen Arbeitsstätte auf andere Art weiterpflegen kann. Urs Ruoss attestiert seiner Frau Priska ein unglaubliches Flair im Umgang mit Kundinnen und Kunden. Er gerät dabei fast ein wenig ins Schwärmen. Gemeinsam – zuletzt mit einem Team von zehn Mitarbeitenden – steigern sie den Umsatz Jahr für Jahr markant. Dank zuverlässiger Montage und umfassendem Service bilden immer mehr grosse Aufträge von Immobilienverwaltungen die Grundpfeiler für den Erfolg.

Keine interne Lösung

2019 befassen sie sich dann erstmals ernsthaft mit der Nachfolgeregelung, weil sie von einem Zeithorizont von etwa fünf Jahren ausgehen. Schon vorher gab es zwar Überlegungen, ob ihr Mitarbeiter Arben Krasniqi einst das Geschäft übernehmen könnte, weil familienintern niemand Interesse zeigt. Für beide Seiten war jedoch klar, dass ein junger Familienvater unmöglich einen solch grossen Brocken stemmen könnte. Bleibt also nur noch ein Verkauf. Treuhänder Daniel Hüppin schlägt vor, eine externe Bewertung einzuholen. Kurze Zeit später liegt sie vor und löst bei Daniel Hüppin eigene Überlegungen aus. Der Rest der Geschichte ist bekannt: der überraschende Telefonanruf an einem Mittwochabend, der das Ehepaar Ruoss etwas überrumpelt und ihre mittelfristige Planung durcheinanderwirbelt.

«WIR GENIESSEN ES SEHR,
DASS WIR JETZT MEHR ZEIT
FÜR UNSERE HOBBYS HABEN.»

Urs und Priska Ruoss


Mit dem Kauf einer Honda Goldwing haben sich Urs und Priska Ruoss nach ihrer Pensionierung einen Traum erfüllt.

Investoren steigen ein

Als Fachmann weiss Daniel Hüppin, welche Renditeerwartung er zugrunde legen kann, um den Ertragswert des Unternehmens realistisch einzuschätzen. Eine Due-Diligence-Prüfung braucht er sowieso nicht, weil er als Treuhänder der Firma alle Kennzahlen bestens kennt. Die externe Bewertung entspricht ziemlich genau seinen eigenen Vorstellungen, weshalb er sich entschliesst, als Investor einzusteigen, allerdings nicht alleine. Er holt den Verkaufs- und Marketingfachmann Pirmin Schnellmann mit ins Boot sowie den Topmitarbeiter und stellvertretenden Geschäftsführer der Firma wakutech, Arben Krasniqi.

Das ist ganz im Sinne der bisherigen Eigentümer. Arben Krasniqi hat während vieler Jahre wesentlich zur positiven Entwicklung des Unternehmens beigetragen. Urs und Priska Ruoss schätzen seinen Verbleib in der Firma als ein absolutes «Muss» ein. Das beurteilen die beiden Investoren gleich. Sie selber übernehmen je einen Anteil von vierzig Prozent. Arben Krasniqi wird mit zwanzig Prozent am Unternehmen beteiligt und zum Geschäftsführer ernannt.

Unterstützung durch Bank

Nach dem legendären Telefonat geht es schnell. Die Eheleute Ruoss und die künftigen Besitzer setzen sich zusammen und handeln die Verkaufsmodalitäten aus. Immer mit am Tisch sitzen auch die Fachleute der Schwyzer Kantonalbank (siehe Kasten). Sowohl Urs und Priska Ruoss als auch Daniel Hüppin, Pirmin Schnellmann und Arben Krasniqi betonen, dass man ohne die positive Rolle der Bank die Nachfolgeregelung nicht hätte realisieren können. «Wir wurden von den Experten der Schwyzer Kantonalbank jederzeit sehr gut beraten und betreut», spart Daniel Hüppin nicht mit Lob.

Urs und Priska Ruoss bleiben nach dem Verkauf der Firma im Dezember 2019 noch rund ein Jahr im Geschäft tätig – bis Ende 2020 –, um einen nahtlosen Übergang zu garantieren. Wer weiss. Möglicherweise aber auch, um den plötzlichen «Pensionierungsschock» etwas zu mildern.

www.wakutech.ch

FIRMENGRUPPE

Daniel Hüppin betreibt seit dem Jahr 2000 ein Treuhandbüro in Siebnen. 2014 erwarb er zusammen mit Pirmin Schnellmann von Robert Ruoss die Kaffeerösterei Ansaro in Buttikon, 2019 nun die Ruoss Urs GmbH, Waschund Küchentechnik (wakutech), mit Sitz in Lachen sowie die Firma Kafiland am gleichen Ort. Anfang 2022 stiess ein weiteres Unternehmen zur Firmengruppe, die 1992 gegründete Firma A. Kühne Elektrohaushaltgeräte. Sie nennt sich neu A. Kühne GmbH. Sie hat je ein Geschäft in Siebnen und Au- Wädenswil. Die gesamte Gruppe beschäftigt rund 25 Mitarbeitende.


Die Berater der SZKB (v.l.) Pirmin Suter, Roger Betschart und Andreas Janser arbeiteten bei der Nachfolgeregelung eng zusammen.

UMFASSENDE BERATUNG

Die Schwyzer Kantonalbank hat einen wesentlichen Teil zur erfolgreichen Nachfolgeregelung bei der Ruoss Urs GmbH, Wasch- und Küchentechnik, in Lachen beigetragen. Die Bankberater haben sowohl die Verkäuferfamilie als auch die kaufwilligen Interessenten beraten und bei der Abwicklung eng begleitet. Kundenberater Roger Betschart von der Filiale in Altendorf kennt die Familie Ruoss und das Unternehmen schon seit vielen Jahren sehr gut. Zusammen mit Andreas Janser vom Vorsorgezentrum der Schwyzer Kantonalbank hat er Urs und Priska Ruoss die Möglichkeiten im Hinblick auf eine vorzeitige Pensionierung aufgezeigt.


PENSIONSPLAN

Experte Andreas Janser erarbeitete dabei die Pensionsplanung. «In einem ersten Schritt eruieren wir die persönlichen Zielsetzungen der Kunden sowie ihre Vorstellungen im Hinblick auf die Pensionierung und erfassen die gesamte finanzielle Situation», erklärt er. Die Informationen aus dem Gespräch, aus Unterlagen und Abklärungen fliessen in die Planung ein. Der ungefähre zeitliche Ablauf bei der Übergabe der Ruoss Urs GmbH war bekannt. Darauf aufbauend konnten wir dem Ehepaar Ruoss die Auswirkungen auf ihre private finanzielle Situation aufzeigen. Die Entwicklung der Einnahmen, der Ausgaben, des Vermögens und der Steuern wurde anhand der gewünschten Planvarianten dargestellt. Die umsichtige Nutzung steuerlicher Optimierungsmassnahmen war ebenfalls ein wichtiger Teil der Planung. Die Erkenntnisse inklusive Optimierungen wurden zudem in einem Ereignis- und Massnahmenplan festgehalten, welcher inskünftig auch bankseitig in die Kundenberatung einfliesst.


ÜBERNAHMEFINANZIERUNG

Pirmin Suter vom Kompetenzzentrum Firmenkunden der Schwyzer Kantonalbank auf der anderen Seite hat den Weg für den Kauf des Unternehmens durch Daniel Hüppin, Pirmin Schnellmann und Arben Krasniqi geebnet und die entsprechende Übernahmefinanzierung genehmigt. «Damit unsere Kunden von einer optimalen Finanzierungslösung profitieren können, beurteilen wir in jedem Fall das individuelle Rückzahlungsprofil der Kreditnehmer, basierend auf dem Free Cash Flow (FCF), und besprechen mit der Kundschaft, wie die Besicherung des Kredites gestaltet werden kann.»

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