Bitcoin & Co. - investieren oder ignorieren? / Schwyzer Kantonalbank

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Krypto

Bitcoin & Co. - investieren oder ignorieren?

01.04.2021 - 08:18

Bitcoin ist wieder mal in aller Munde. Seit dem Zwischentief zu Beginn der Coronakrise hat die Kryptowährung mehr als 1'000% zugelegt. Ist der Wertzuwachs diesmal nachhaltig oder kommt erneut der Rückschlag, der bislang auf jeden Boom folgte? Ein Blick hinter die Hypes der Finanzbranche und was Anleger daraus lernen können. Mit SZKB-Anlagechef Thomas Heller.

Seit letztem Jahr stehen Kryptowährungen – mit Bitcoin als klar wichtigstem Vertreter –  wieder einmal als Synonym für die Verheissung von leicht verdientem Geld. Die mediale Aufmerksamkeit ist hoch und geht auffallend Hand in Hand mit dem Bitcoin-Kurs. Und man hört wieder Geschichten von Bekannten – oder Bekannten von Bekannten –, die für wenig reales Geld Kryptogeld gekauft und dieses kurze Zeit später für ganz viel reales Geld wieder verkauft haben.

«Es war wie ein Zauberwort: Bitcoins.»

Märchenhafte Wertsteigerung

Laut Thomas Heller, Anlagechef der Schwyzer Kantonalbank, bestätigt die Kursentwicklung die Geschichten: «Der erste im Börsensystem Bloomberg erfasste Bitcoin-Kurs lag am 19. Juli 2010 bei 8 Cent. Mitte März 2021 lag der Kurs kurzzeitig bei 61'742 US-Dollar. Dies entspricht einer Wertsteigerung von über 77 Millionen Prozent».

Eine grosse Verlockung, so Heller. Nur: In der Vergangenheit sei auf den Boom regelmässig die Korrektur gefolgt. Wie um den Jahreswechsel 2017/2018, als Bitcoin innerhalb von nur sieben Wochen fast 2/3 seines Wertes verloren habe: «Kaum jemand sprach mehr von Bitcoins, Litecoins, Ethereums, Ripples und Moneros. Ein klassischer Spekulationshype also? So wie die Tulpenmanie im 17. und die Südseeblase im 18. Jahrhundert. So wie der Dotcom-Boom und die Immobilien-Bubble: Plötzlich lösen sich Opportunitäten in Luft auf – und viele Anleger verlieren massiv Geld», so der SZKB-Anlagechef. 

Digitales wird real(er)

Bitcoin & Co. sind im letzten Jahr allerdings näher an die reale Welt gerückt. Die vermehrten Diskussionen von Politik und Behörden über eine Regulierung der Kryptowährungen können als Indiz interpretiert werden, dass sie auch von offizieller Seite zusehends ernst genommen werden. Ausserdem: Bei immer mehr Banken kann man Kryptowährungen handeln und verwahren und der Bezahldienstleister Paypal erlaubt nun Zahlungen in mehreren Digitalwährungen. Seinen neuen Tesla kann man jetzt mit Bitcoin bezahlen, wobei der umtriebige Firmen-Chef Elon Musk sogar selber für 1.5 Milliarden Dollar Bitcoin gekauft hat. Und der hiesige Detailhändler Manor führt neu auch Bitcoin-Gutscheine in seinem Sortiment. Trotz dieser Fortschritte müsse man laut Thomas Heller aber konstatieren: «Es gibt immer noch sehr wenige Anwendungsmöglichkeiten, und diese wenigen werden kaum genutzt. Kryptowährungen sind also noch weit davon entfernt, fester Bestandteil des alltäglichen Lebens zu sein». 

Performance und Angstschweiss

Viele lässt das Bitcoin-Phänomen ratlos zurück. Gleichzeitig bedauern sie angesichts der starken Kursentwicklungen die verpasste Chance. «Klar haben all jene etwas verpasst, die sich damals nicht mit Bitcoins eingedeckt – und sich rechtzeitig getrennt haben», sagt der SZKB-Anlagechef. 

«Einerseits eine starke Performance, andererseits eine starke Angstschweiss-Entwicklung.»

Der Experte sieht die Kryptowährungen generell kritisch positiv: «Ich bin kein Fachmann für die Digitalisierung, aber ich glaube zumindest abschätzen zu können, dass die Technologie hinter den Kryptowährungen durchaus Bestand haben wird. Gleichzeitig ist es auch sehr gut möglich, dass sich eine oder mehrere der Währungen in verschiedenen Anwendungsformen etablieren können.» Schliesslich sei physische Verfügbarkeit heute keine grundlegende Voraussetzung für eine Währung. Welche der digitalen Zahlungsmittel allerdings überleben und gedeihen würden, sei unmöglich abzuschätzen bei mehreren tausend verschiedenen Kryptowährungen, resümiert Heller. 

Ein perfektes Spekulationsobjekt

«Wir müssen in diesem Bereich ganz klar zwischen Spekulation und Anlage unterscheiden», hält Heller fest. «Beim Spekulieren kann man mit Bitcoin & Co. schnell grosse Gewinne machen. Als Anlage hingegen sind sie gänzlich ungeeignet.» Kryptowährungen zahlen nämlich keine Dividenden und keine Coupons. Heller bemerkt zudem, dass der oft angestellte Vergleich mit Gold, das ebenfalls keine Ausschüttungen macht und wie Bitcoin nicht beliebig ausgeweitet werden kann, hinke. Gold habe nämlich eine Jahrhunderte alte Geschichte als Wertaufbewahrungsmittel und darüber hinaus auch eine physische Verwendung in der Industrieproduktion oder als Schmuck. Bitcoin gebe es hingegen erst seit gut einem Jahrzehnt und tauge aufgrund seiner hohen Preisschwankungen sowie der geringen Einsatzmöglichkeiten weder als Wertaufbewahrungs- noch als Zahlungsmittel. So fasst der Experte zusammen: «Es gibt derzeit also noch kaum praktische Gründe, Bitcoin zu halten. Man kann einzig und allein darauf spekulieren, dass der Preis steigt».

«Wir müssen in diesem Bereich ganz klar zwischen Spekulation und Anlage unterscheiden»

Und wer spekuliert, muss damit rechnen, sich zu verspekulieren, bzw. seinen Einsatz komplett einzubüssen. Das sollte jedoch nur machen, wer über genug Spielgeld verfüge, meint Heller: «Einer soliden Anlagestrategie steht dies diametral entgegen.» 

Anlegen heisse einen langfristigen Plan zu haben und die Risiken zu diversifizieren. Der Grundsatz laute, bei steigenden Märkten nicht gierig und bei fallenden Kursen nicht panisch zu werden, sondern seinem Risikoprofil entsprechend zu investieren und investiert zu bleiben. In anderen Worten: Ruhig Blut statt Angstschweiss.

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